Gefühle und zwischenmenschliche Beziehungen

Oftmals haben Betroffene Probleme damit, menschliches Verhalten auch in Zwischentönen wahrzunehmen, für viele sind Menschen in ihrer Umgebung entweder nur „gut“ oder nur „böse“. Um eine Orientierung im inneren Gefühlschaos zu finden, versuchen viele die Menschen um sie herum einzuordnen in diejenigen, die sie unterstützen, und jene, die ihnen „feindlich“ gesinnt zu sein scheinen.

Es ist für sie schwer einfühlbar, wenn Menschen sich plötzlich anders verhalten als sonst. Wenn ein Freund ärgerlich wird und schimpft, vielleicht weil man eine gemeinsame Verabredung vergessen hat, ist es für sie nicht möglich zu verstehen, dass dieser Freund nur das Verhalten, nicht aber die ganze Person kritisiert und sie trotzdem weiterhin schätzt.

Ist ihnen eine Person wichtig geworden, können manche sogar ihre gesamte soziale Energie auf diesen Menschen richten. So beschreibt eine Betroffene, dass eine Steigerung der Tiefe ihrer Beziehung schon bald nicht mehr möglich sei und sie den Kontakt enttäuscht und verletzt abbricht.

Ein Therapeut hat die Art, sich auf Beziehungen einzulassen, einmal mit der Intensität einer Liebesbeziehung verglichen, bei der die Gedanken auch nur noch um die geliebte Person kreisen. Ein solcher Zustand ist allerdings nur eine begrenzte Zeit aufrechtzuerhalten.

Wenn sich eine als unterstützend wahrgenommene und positiv besetzte Person einmal nicht so verhält, wie es dem idealisierten Bild entspricht, kann es zu tiefer Verzweiflung und sogar Suizidgedanken kommen. Um diese Situation aushalten zu können, werten Borderliner die vorher noch positiv gesehene Person massiv ab und sehen keinerlei gute Seiten mehr an ihr.

Viele von ihnen verschwinden aus einer Beziehung, noch bevor es zum „großen Knall“ kommen kann, etwa nach dem Motto: Bevor der mich verlässt, hau ich selbst ab, denn ich würde es nicht aushalten, verlassen zu werden.

Für Außenstehende wirkt das wie Flucht, für die Betroffenen ist es die einzige Möglichkeit, Kontrolle über die Situation zu behalten. Die meisten haben deshalb irgendwann nur noch sehr oberflächliche Beziehungen zu ihren Mitmenschen, oft weil ihre unerfüllbare Sehnsucht nach „guten und liebevollen Eltern“ oder nach Partnerschaft und Nähe in der Vergangenheit immer wieder in einem Desaster aus Chaos und manchmal sogar Gewalt endete. Sie halten sich daher von jeglichen tieferen Beziehungen fern und haben nur noch „lockere“ Kontakte. So sind sie recht einsam, paradoxerweise freiwillig, auch wenn sie scheinbar viele Sozialkontakte haben.

Kriterium 2 > Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch den Wechsel zwischen Extremen der Idealisierung und der Entwertung gekennzeichnet ist.

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