Stimmungsschwankungen

Borderliner kennen abrupte, extreme Gefühlsveränderungen. Sie führen im Alltag oft zu Problemen. Ihnen wird immer wieder unterstellt, ihr Erleben sei nicht „echt“, sondern nur gespielt. Es ist für Freunde nur schwer vorstellbar, wie die Stimmung bei ihnen innerhalb weniger Minuten völlig kippen kann. Vielen von ihnen wird auch vorgeworfen, sich kindisch zu benehmen. Sie sind es dann leid, sich ständig wegen ihrer rasanten Stimmungsschwünge erklären zu müssen, und oft ist es für sie auch völlig unmöglich, eine plausible Erklärung zu finden.

Schnelle Stimmungswechsel erleben die meisten Erwachsenen eher selten, bei einem Kind hingegen wundert sich keiner, wenn es kurz nach einem heftigen Wutanfall wieder freudestrahlend lächelt. Bei einem Erwachsenen scheint das Gleiche jedoch nicht nachvollziehbar. Doch auch Erwachsene erleben manchmal, dass die Stimmung von totaler Ausgelassenheit in bittere Ernsthaftigkeit oder von Wut in Verzweiflung umschlägt. Das sind dann meist Ausnahmesituationen und nicht struktureller Bestandteil des Alltagserlebens. Betroffene erleben genau solche Wechsel scheinbar aus heiterem Himmel und sogar mehrmals täglich, wenn auch nach außen hin nicht immer sichtbar.

Viele Betroffene erklären, dass ihre Stimmungen eine Reaktion auf Impulse der Umgebung seien. Die Reaktionen der Mitmenschen beeinflussen ihr Empfinden in wesentlich höherem Maße als bei anderen Menschen, sie liefern den Maßstab für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Die anderen Personen geben, ohne es zu wissen, die Impulse für Aktivität. Das geschieht, weil Borderliner der eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen und sie immer wieder an den Reaktionen und Taten der Umgebung überprüfen.

Menschen mit Borderline sind in hohem Maße empfänglich für Stimmungen ihrer Mitmenschen. Um wieder auf Berichte der Betroffenen aufzubauen, beschreiben viele, dass sie manchmal das Gefühl haben, ihnen sei die Haut abgezogen und sie seien allen Stimmungen, die ihnen begegnen, schutzlos ausgeliefert. Ein kritischer Blick kann dann „schwerste Verletzungen“ auslösen; ein nettes Wort hingegen kann „Balsam“ sein.

Zu den Stimmungen der Mitmenschen kommen vielfach auch die nicht einzuordnenden eigenen Stimmungen. Warum man eben noch fröhlich und zufrieden mit Leuten in der Kantine gesessen hat und eine halbe Stunde später zu Hause nur noch in Angst und Selbstzweifeln versinkt, ist nicht nur für Außenstehende, sondern auch für Betroffene selbst schwer zu begreifen.

Kriterium 6 > Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung.

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