Vermeidung von Alleinsein

Die Vermeidung von Alleinsein und die Angst vor Leere und Langeweile stehen für viele Betroffene in engem Zusammenhang. Um nicht in eine innere Leere zu stürzen, suchen manche von ihnen Orte auf, an denen reges Treiben herrscht, andere vertiefen sich beispielsweise in die Onlinewelt. Letztlich finden sie aber auch dort wenig Halt, sind allein unter vielen, in einer anonymen Menschenmenge, ohne wirklichen Kontakt zu den anderen.

Viele Betroffene wagen es nicht, anderen von ihrer Angst vor dem Alleinsein zu berichten, da sie befürchten, missverstanden oder nicht ernst genommen zu werden. Im Buch berichtet eine Betroffene davon, auf ihre geäußerte Befürchtung, die nächste Nacht nicht allein überstehen zu können, zu hören bekommen zu haben, dass sie nun doch langsam aus dem Alter heraus sein müsse, sich allein zu Hause zu fürchten. Aber es ist nicht die Angst vor dem „Kellergeist“, wie sie es beschreibt, sondern die Angst, sich in sich selbst zu verlieren. Daher trifft der Begriff „Alleinsein“ das empfundene Gefühl vieler nur teilweise.

Für sie geht es primär  um die Vermeidung von Einsamkeits- und Verlassenheitsgefühlen. Die innere Einsamkeit kann zu einer so existenziellen Bedrohung werden, dass alles andere unwesentlich wird. Deutlich wird das anhand eines anderen Berichts einer Betroffenen, die erzählt, vor ihren Suizidversuchen immer tiefer in das Gefühl der Einsamkeit gerutscht zu sein. Jedes Mittel sei dann recht gewesen, um diesen Zustand zu beenden.

In meinem Fall verhält es sich wie im Bericht einer dritten Betroffenen, die das Gefühl der Einsamkeit als Widerhall sämtlicher Situationen des Alleinseins in der Vergangenheit beschreibt. Eine Art Erinnerungs- und Emotions-„Flashback“. Viele Borderliner haben in ihrer Kindheit beängstigende Situationen erlebt, in denen keiner für sie da war und sie hilflos auf sich gestellt waren, in denen sie mir ihrer Angst allein gelassen wurden. Für andere ist die Erinnerung an Trennungen oder an Verlassenwerden in einer Partnerschaft oder dem Elternhaus in einem solchen Augenblick wieder präsent, wenn auch oft nur als unklares, bedrohliches Gefühl.

Kriterium 1 > Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.

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